Nylon: Tips und Tricks

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#1

Ich stelle hier alle meine Erfahrungen mit dem 3D Druck mit Nylonmaterial ein.

Mit Nylon lassen sich per herkömmlichen FDM 3D Druck auch sehr extrem belastbare Funktionsteile drucken, wie beispielsweise Klemmen oder Gewinde.

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#2

Welches Material wird verwendet?

Ich habe bis jetzt Filament vom Hersteller Taulman 3D verwendet - Taulman 3D Taulman ist derzeit führender Hersteller von Nylon Filament.

Es gibt verschiedene Materialzusammensetzungen welche unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Einen überblick über die verschiedenen Filamente von Taulman 3D findet man hier: How to Choose which Filament

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Ich habe bis jetzt Alloy 910 verwendet. Preis, ca. 39,90 € pro 1/2 KG Rolle.

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#3

Was gibt es zu beachten?

Zwei Dinge sind beim Druck mit Nylon ganz besonders zu beachten.

1. Hohe Drucktemperaturen (Nozzle ca. 250° & Bett ca. 70°) und am besten einen vor Zugluft geschützter Druckraum.

2. Das Filament sollte stets! vor Feuchtigkeit geschützt werden.
Sobald die neue Rolle aus ihrer verschweißten Folie genommen wird, sollte diese wieder schnellstens in einen luftdichten Behälter gelagert werden.

Hierzu habe ich aus einer alten Blechdose eine Drybox gebaut, in welcher sich die Filamentrolle drehen kann, so ist die Rolle auch während des Drucks geschützt. In der Drybox befindet sich ganz viel Silicagel.

Hat das Nylonfilament einmal Feuchtigkeit gezogen, wirkt sich das im Druck negativ auf die Oberflächenbeschaffenheit und das Warping aus.

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links: feucht; rechts: trocken

Man kann allerdings das Filament auch wieder im Backofen trocknen:

1) Ofen zuerst! auf 70°-75° vorwärmen
(Wichtig, Temperatur sollte zuerst erreicht worden sein, bevor man die Rolle in den Backofen legt)

2) Rolle ca. 4-6 Stunden “backen”.

Dies kann gerne zusammen mit der Drybox bei geöffneten Deckel gemacht werden.
(Deckel nicht mit in den Backofen legen, das Silicagel allerdings schon)

Mehr zu Nylon und Feuchtigkeit hier:
Beat Moisture Before It Kills Your 3D Printing Filament

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#4

Welche Settings beim Druck?

Ich habe immer mit dem Ultimaker Original gedruckt (Gummihammer),
aber geeignet ist jeder Drucker mit beheizbaren Druckbett und möglichst hoher Nozzletemperatur.


Taulman Alloy 910:

Drucktemperatur: 250°
Druckbett: 70°
Fluss: 95% (dazu unten mehr)
Einzugsabstand: 4mm
Einzugsgeschwindigkeit: 30 mm/s

Kühlung: aus

Druckgeschw.: 40 mm/s
Wandgeschw.: 40 mm/s
Innenwandgeschw.: 40 mm/s
Bewegungsgeschw.: 160 mm/s
Geschwind. erste Schicht: 25 mm/s

Brim 10-15 mm (Nylon warpt immer stark)

Schichtdicke bei 0,3 mm Nozzle 0,15 mm


Die Qualität der Oberfläche lässt sich anschließend per Flussmultiplikator gut optimieren.
Standardmäßig ist der Fluss immer 100%.
Ich habe bei meinem Teil gute Erfahrung mit 95% oder sogar noch etwas niedriger gemacht.
Anschließend sollte aber das Layerbonding überprüft werden.

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Von links nach rechts: Schrittweise Reduktion des Fluss von 100% auf 93%

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#5

Anwendungsbeispiel

Ich habe mit Nylon sehr belastbare Funktionsmodelle meines Klemmverbinders gedruckt. So gelang es mir diesen stets zu verbessern, da ich mithilfe des 3D Drucks mit Nylon echte Belastbarkeitstests durchführen konnte.

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IMG_1637
Garderobe XP1

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#6

Sehr sehr gut! :star_struck:

Kinder, schaut alle mal her, wie der Benni das gemacht hat!
Schöner Entwurf, schöne Experimente, schöne Dokumentation!

Nur um’s nochmal zu verdeutlichen: Das ist nicht irgendein PLA-Spielzeug.
Nylon von gleichbleibend hoher Qualität in Kleinserie zu drucken, das ist schon
eine ziemlich respektable Leistung!

Mich würde bloß noch interessieren, wieviele Prittstifte für
die Druckbetthaftung sterben mussten… :wink:

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